Fragen und Antworten rund um den ersten Turnierstart
Hier bekommst Du Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um den Einstieg in den Turniersport. Was heißt eigentlich Wettbewerb und Leistungsprüfung oder LPO und WBO? Hat das was mit der Klasse E oder A zu tun? Und was sind überhaupt Leistungsklassen im Reitausweis? Ganz schön schwierig, das "Turnierlatein" zu verstehen. Wir erklären Euch hier ausführlich, was die verschiedenen Prüfungsarten, Klassen und Leistungsstufen bedeuten und welche Abzeichen (z.B. Bronzenes Reitabzeichen) Ihr haben müsst, um in bestimmten Prüfungen zu starten.

Was gibt es für Prüfungs- und Wettbewerbsformen auf Turnieren?
Es gibt zwei verschieden Prüfungs- bzw. Wettbewerbsformen auf
Turnieren: Wettbewerbe gemäß Wettbewerbsordnung für den Breitensport
(WBO) und Leistungsprüfungen gem. Leistungs-Prüfungs-Ordnung
(LPO). Wer mit dem Turnierreiten anfängt, startet zuerst auf Turnieren, bei
denen Wettbewerbe ausgeschrieben ist.
Wettbewerbe sind in der WBO niedergelegt. Hier gibt es zahlreiche Wettbewerbsformen,
z.B. alle spielerischen Wettbewerbe (Reiterspiele) und klassische
Einsteiger-Wettbewerbe (zum Beispiel Führzügelklasse, Reiterwettbewerb).
Wichtig: Auch Wettbewerbe der Klasse E (abgekürzt Kl. E für Eingangsstufe
aus der LPO), egal ob Springen, Dressur oder Vielseitigkeit sind in der WBO zu
finden. Diese Wettbewerbs-/Prüfungsklasse ist die gemeinsame Schnittmenge
zwischen der LPO und der WBO. Der Unterschied liegt in den
Teilnahmevoraussetzungen und wird weiter unten erklärt.
Was gibt es für Altersklassen?
Im Turniersport gibt es vier Altersklassen, für die Prüfungen ausgeschrieben werden:
Brauche ich für meine erste
Turnierteilnahme schon einen Reitausweis?
Für die Teilnahme an den Wettbewerben gem. WBO braucht man noch keinen Reit- oder Fahrausweis. Und auch das Pferd muss nicht speziell als Turnierpferd bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) eingetragen sein. Allerdings gibt es in den einzelnen Landesverbänden (LV) und Landeskommissionen (LK) verschiedene Vorschriften, die neben der LPO beachtet werden müssen.
Wie beantrage ich meine
FN-Jahresturnierlizenz (Reitausweis)?
Ganz wichtig: Bevor Ihr eine FN-Jahresturnierlizenz (Reitausweis) beantragt, müsst Ihr Mitglied in einem Reit- oder Fahrverein sein. Wer in mehr als einem Verein Mitglied ist, muss sich für einen Stammverein entscheiden, für den er dann auch an den Start geht. Ihr füllt einen Antrag auf Erstausstellung eines Reitausweises aus (diesen Antrag findet Ihr unter „Anlagen“ auf dieser FN-Internetseite ), fügt eine Kopie der Abzeichen-Urkunde (wichtig!) bei und gebt ihn beim Reitverein ab, damit er mit dem Vereinsstempel versehen wird. Dann schickt Ihr das Ganze an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN). Wundert Euch nicht: Der Reitausweis ist kein Ausweis wie zum Beispiel ein Pass, vielmehr erhaltet Ihr von der FN Nennungsschecks, die Ihr für die Anmeldung (= Nennung) zum Turnier braucht. Zusammen mit den Nennungsschecks gibt es auch ein Exemplar der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO), das ist das Regelwerk für den deutschen Turniersport. Beides wird per Nachnahme (inklusive der Gebühren) verschickt.
Was muss ich beachten, wenn ich in Wettbewerben (WB) gemäß WBO starten möchte?
Wenn Ihr Euch ausschließlich für WB gemäß WBO anmelden wollt, müsst Ihr das mit einem gültigen "Nennungsformular WBO" tun. Dieses Formular könnt Ihr auf unserer Homepage www.psvhan.de unter dem Link „Merkblätter und Anträge“ als PDF-Datei downloaden. Wer schon weiter fortgeschritten ist, vielleicht sogar den ein oder anderen Wettbewerb der Kl. E erfolgreich gemeistert hat, möchte sich natürlich bald in Leistungsprüfungen der Kl.E gem. LPO oder der nächst höheren Klasse mit anderen Reitern messen. Nach der Klasse E kommt die Klasse A (A für Anfangsstufe). Die Teilnamevoraussetzungen für Leistungsprüfungen werden im nächsten Punkt erklärt.

Was muss ich beachten, wenn ich in
Leistungsprüfungen (LP) gemäß LPO starten möchte?
Wer in Leistungsprüfungen z.B. der Klasse E oder A an den Start gehen möchte, braucht dafür einen Reitausweis (siehe Frage zum Reitausweis). Voraussetzung dafür ist, dass Ihr mindestens das Kleine Reitabzeichen Klasse IV (DRA IV) habt. Mit diesem Ausweis werdet Ihr in den jeweiligen Reit-Disziplinen in die Leistungsklasse 6 eingestuft: Dressur (D6), Springen (S6), Vielseitigkeit (V6) bzw. Fahren (F6). Mit diesem Ausweis dürft Ihr in allen Leistungsprüfungen (LP) der Klasse A und weiterhin in allen Klasse E-Prüfungen bzw. Wettbewerben starten, wenn die Ausschreibung die zulässt.
Welche Voraussetzungen muss ich für die
unterschiedlichen Leistungklassen haben?
Wer an Prüfungen der Klasse A bis S teilnehmen möchte (diese Prüfungen sind
in Kategorie B und A ausgeschrieben), braucht dafür einen Reit-/Fahrausweis mit
der Einstufung in die Leistungsklassen 5 bis 1 der
verschiedenen Disziplinen (Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren). In
Leistungsklasse 5 kommt, wer mindestens das Bronzene Reit-/Fahrabzeichen, also
das DRA/DFA Klasse III, besitzt. Das gilt auch für die neuen
disziplinenspezifischen Reitabzeichen DRA III (Dressur) für D5 oder DRA
III (Springen) für S5.
Wenn Ihr die Prüfung zum DRA III bzw. DFA III nach dem 1. Januar 2000 abgelegt
habt, müsst Ihr zusätzlich zur Abzeichenprüfung noch eine sogenannte
"Lizenzprüfung" auf einem "normalen" Turnier mit Eurer
(noch) Leistungsklasse 6 ablegen. Das Ergebnis (das besser als 6,0 sein muss)
lasst Ihr Euch dann auf einem Lizenzprüfungsformular (gibt es als download
auf dieser homepage) eintragen. Die Lizenzprüfung besteht für die
Leistungsklasse D5 im Reiten einer A-Dressur oder einer Dressurreiterprüfung
Kl. A, für Leistungsklasse S5 im Reiten eines A-Stilspringens.
Aber Achtung: Mit Leistungsklasse 5 dürft Ihr nicht mehr in
der jeweiligen Disziplin in Leistungsprüfungen/Wettbewerben der Kl. E starten.
Je nach Erfolgen in der laufenden und der vorangegangenen Saison werdet Ihr im
darauffolgenden Jahr in eine Leistungsklasse eingestuft. In den Ausschreibungen
für die einzelnen Turniere ist die verlangte Leistungsklasse jeweils angegeben.
Man kann sich auch aufgrund anderer Kriterien wie zum Beispiel Silbernes
Reitabzeichen, Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten, Abschluss als
Amateurreitlehrer, alte Erfolge und so weiter in die verschiedenen
Leistungsklassen einstufen lassen.
Wie das genau geht, steht übrigens im FN-Merkblatt
"Leistungsklasseneinteilung im Turniersport", das Ihr auf den
Internetseiten der FN downloaden könnt.
Woran muss ich vor dem Turnier denken?
Am besten macht Ihr Euch eine Checkliste, die Punkt für Punkt abgehakt wird:

Was wird im Viereck bewertet?
Jede Dressuraufgabe beginnt und endet mit der Grußaufstellung mit Front zu den Richtern. In den Reiterwettbewerben bewerten die Richter ausschließlich Sitz und Einwirkung des Reiters. Beim einfachen Reiterwettbewerb wird nach Kommando der Richter geritten. In allen anderen Dressurprüfungen bzw. Wettbewerben kommt es auch darauf an, wie genau und korrekt das Pferd die Lektionen zeigt. In Aufgaben der Klasse E fließen Sitz und Einwirkung des Reiters zur Hälfte mit in die Note ein. Auf dem Turnier oder bei Abzeichenprüfungen vergeben die Richter Wertnoten zwischen 0 und 10. Und das bedeuten die Noten: 0 (nicht ausgeführt), 1 (sehr schlecht), 2 (schlecht), 3 (ziemlich schlecht), 4 (mangelhaft), 5 (genügend), 6 (befriedigend), 7 (ziemlich gut), 8 (gut), 9 (sehr gut), 10 (ausgezeichnet).
Was wird im Parcours bewertet?
Zum Einstieg für eine Turnierteilnahme im Springen eignet sich der Springreiter-Wettbewerb am besten. Nach Anweisungen der Richter wird im leichten Sitz über einzelne Sprünge und Sprungfolgen geritten (kein kompletter Parcours). Die Hindernisse sind nicht höher als 90 Zentimeter. Hier kommt es vor allem auf Sitz und Einwirkung des Reiters an. Man sollte den leichten Sitz können und Hindernisse korrekt anreiten und überwinden können. Auch hier gibt es die gleichen Wertnoten wie in der Dressur. Als Turniereinsteiger solltest Du zuerst in Stil-Springprüfungen (z.B. Kl. E) starten, in denen Dein Springstil bewertet wird (Gleichgewicht, Grundtempo, Rhythmus).
Und so läuft eine Siegerehrung ab:
Nach der Aufforderung zum Einreiten stellen sich die Teilnehmer nebeneinander und mit Blick zu den Richtern oder Zuschauern auf und werden einzeln aufgerufen. Der Sieger steht, von den Reitern aus gesehen ganz rechts, der Zweite reitet links daneben, usw. Dann nehmen die Reiter ihre Schleifen entgegen: 1. Platz (gelb), 2. Platz (silber/ grau), 3. Platz (weiß), 4. Platz (blau), 5. Platz (rot), alle weiteren Platzierungen (grün). Anschließend erfolgt eine Ehrenrunde im Trab oder Galopp.

Wie finde ich das richtige Turnier?
Darüber kannst Du Dich am besten in Deinem Reitverein informieren. Ausbilder und Jugendwarte wissen meistens gut Bescheid über passende Turniere. Vielleicht findet ja auch ein Turnier direkt auf der Anlage Deines Reitvereins statt? Ausschreibungen finden sich aber auch auf den speziellen Seiten unserer Landesverbandszeitschrift dem Reitsport Magazin für das Pferdeland Niedersachen (gibt es am Kiosk). Lass Dir von einem erfahrenen Turnierreiter bei der Auswahl helfen!
Wie wird mein Pferd zum Turnierpferd?
Um an Leistungsprüfungen gem. LPO (LP der Klasse E-S) teilnehmen zu können, muss Dein Pferd als Turnierpferd eingetragen sein. Hierfür sendest Du bitte den Pferdepass Deines Pferdes mit einer Kopie der Eigentumsurkunde an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) in Warendorf. Fülle zusätzlich den entsprechenden Antrag aus (Antrag findet man auf www.pferd-aktuell.de). Für einen Start in Wettbewerben gemäß WBO benötigt das Pferd noch keine Eintragung als Turnierpferd.
Wie bekomme ich Nennaufkleber?
Bei dieser Ersteintragung als Turnierpferd werden automatisch Nennungsaufkleber für dein Pferd mit erstellt. Auf der letzten Seite dieses Nennungsaufkleberheftes ist ein Überweisungsträger mit der Aufschrift "Fortschreibung" eingeheftet. Überweise diese Summe im darauffolgenden Jahr und Du bekommst automatisch neue Nennungsaufkleber für die nächste Saison. Nutzer des online Nennsystems NennungOnline können als Besitzer Ihre Pferde auch über das Internet fortschreiben. Dazu müsst Ihr in NennungOnline registriert sein. Mehr Infos dazu auf www.pferd-aktuell.de
Wie kann ich einen Besitzwechsel
eintragen lassen?
Wenn ein Pferd den Besitzer wechselt, muss der Pferdepass und eine Kopie der Eigentumsurkunde ebenfalls zur FN geschickt werden. Füllt diesbezüglich bitte ebenfalls den entsprechenden Antrag aus.
Was hat es mit der Ponymessung auf
sich?
Das gesamte Prozedere der Eintragung und Besitzwechsel ist für Ponys und Pferde gleich. Bei den Turnierponys benötigen wir eine von der zuständigen Landeskommission vorgenommene Messung. Bei G-Ponys, die ein Stockmaß von 142 Zentimeter und größer haben, benötigen wir die Messung jährlich bis zum siebenten Lebensjahr des Ponys. Die Ponys müssen bis zum Alter von sieben Jahren jährlich gemessen werden um als Turnierponys registriert zu werden!